Osterwanderung im Kallbach mit Osterbräuchen
Oster-Bräuche & Oster-Wanderung in Kallbach-Simonskall
Warum eine Wanderung zum Thema „Osterbräuche"
Ich denke, es immer gut zu wissen, mit welchen Tradition und Quellen des Lebens man umgeht - wenn auch meist unbewusst. Und der Frühling mit seinen wunderbaren Festtagen Ostern und Pfingsten steht für solche Quellen des Lebens. Eine tief greifende Hoffnung bzw. Erfahrung wird in diesen Tagen gefeiert: es gibt einen Neuanfang wir dürfen in unserem Leben immer wieder neu beginnen. So wie die Natur In diesen Wochen einen Neuanfang wagt, so können auch wir Menschen wieder neu das Leben genießen. Und deshalb verbinden an diesem Morgen beides:
die Erfahrung der Bewegung auf unserer Wanderung und das Nachdenken über die Traditionen mit denen wir leben.
Hier finden Sie deutsche Oster-Bräuche als PDF-Datei
Hier finden Sie internationale Oster-Bräuche als PDF-Datei
Hier eine Kurz-Anleitung über die Wanderung,
und eine Einleitung in das Thema 'Ostern':
An drei Stellen werden wir unterwegs kurz Halt machen und uns darüber informieren, welche Aspekte unseres Brauchtums und unserer österlichen Tradition für uns heute noch interessant sein könnten.
An der ersten Station wird es um die Tiere gehen, die zum Osterfest gehören:
Osterlamm, Ostervogel und - natürlich! - Osterhase
Am zweiten Haltepunkt werden uns das Osterwasser und das Osterfeuer beschäftigen.
Und am dritten Punkt wird selbstverständlich das Osterei von Interesse sein.
Unnachahmlich hat beides der Altmeister deutscher Literatur in Worte gefasst.
Deshalb am Beginn das Gedicht 'Osterspaziergang' von J.W. von Goethe:
"OSTERSPAZIERGANG"
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in raue Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt's im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behänd sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss in Breit' und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel;
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!
Johann Wolfgang von Goethe
aus: Faust I, Vor dem Tor
Einleitung zum Thema:
Das Osterfest ist das älteste christliche Jahresfest .Die ersten Feste der Christen orientieren sich am jüdischen Festjahr. So trat Ostern an die Stelle des passahfestes, mit dem sich die Juden den Auszug aus Ägypten ~ Der Gedanke der Befreiung aus der Knechtschaft - entweder aus Ägypten, oder von Schuld und Tod durch die Auferstehung Jesu - ist mit diesem Fest eng verbunden.
Eindeutige Zeugnisse für eine christliche Feier des passahfestes finden sich im 2. jahrhundert n. Chr. Ebenfalls sehr früh belegt ist eine fünfzigtägige Freudenzeit, die sich an die österliche Feier von Leiden, Tod und Auferstehung Jesu anschlossen und mit dem Pfingstfest am 50. Tag nach Ostern (Pentekoste) abgeschlossen wurde.
Mit der Ausbreitung des Christentums gelangte auch das Osterfest im Zuge der Germanenmission in unserer Breiten. Dabei wurde der Termin dieses zentralen Festes im Kirchejahr beibehalten. Es hatte allerdings im Laufe des 2. Jahrhunderts zwischen den k1einasiatischen christlichen Gemeinde und der römischen Kirche einen Streit über diesen Termin gegeben. Kaiser Konstantin ließ dann durch das Konzil von Nizza 325 einen gemeinsamen Ostertermin festlegen: Ostern soll an jenem Sonntag
gefeiert werden, der auf den ersten Frühlingsmond folgt. (22. März und 25. April)
Von diesem unregelmäßigen Termin leiten sich die Termine der anderen beweglichen Feiertage ab: Aschermittwoch ist 46 Tage vor Ostern (40 Tage Fasten und 6 5onntage), Christi Himmelfahrt ist 40 Tage nach Ostern, Pfingsten 50 Tage nach Ostern, Fronleichnam ii Tage nach Pfingsten.
Woher stammt der Name Ostern?
Allgemein wird behauptet, der Name stamme von einer Göttin Ostara und einem ihr gewidmeten germanischen Frühlingsfest. Dieses Fest hat es aber nie gegeben. Der Bonner Sprachwissenschaftler Johann Knoblauch leitet das Wort Ostern vom Wortstamm ausos und damit verwandten Wörtern eostro, griechisch eos, lateinisch aurora, althochdeutsch ostarun, ab.
Die Liturgiegeschichte der Kirche stützt diese Auffassung: Ostern bezeichnet das Geschehen bei Tagesanbruch. Gewöhnlich begann die Feier zur Morgenröte dann auch mit der Taufe der weiß gekleideten Täuflinge (alles Erwachsene!)
Eine andere Deutung bietet ein Sprachwissenschaftler von der Universität Göttingen Nordgermanische Sprachen kennen eine sprachlich zu Ostern passende Wortfamilie altnordisch ausa: Wasser schöpfen, gießen, austr: begießen. Das Wort Ostern bezieht sich demnach auf die Taufe als zentrales Ereignis. Zum Osterwasser kommen nachher noch einmal...
Die sprachliche Verbindung zum Passahfest der Juden ist darüber hinaus noch in der Bezeichnung Posch oder Pasch zu erkennen. Der Poschweck - gerade hier im Aachener Raum steht dafür als leckeres Beispiel.
Ostereier
Das Ei galt schon seit Alters ehr als Fruchtbarkeits- Lebenssymbol und somit auch als Symbol der
Auferstehung: Die Schale ist das Grab aus dem ein lebendiges Wesen hervorgeht.
Einige „harte Fakten":
In der Kirche galt früher ein strenges Verbot, während der Fastenzeit Eier und Eierspeisen zu verzehren. Wahrscheinlich deswegen, weil das Ei als Symbol des Leben erst wieder an dem Tag gegessen werden sollte, an dem das neue Leben gefeiert wird. Durch die österliche Weihe gewann dann das Ei besondere Kräfte: es wurde bemalt und den Angehörigen als Zeichen der Freude geschenkt. (Anders der Palmzweig, den man selbst behält!) Seit dem 12. Jahrhundeert gibt es eine Eiersegnung der Kirche.
Das altdeutsche Eiergesetz schrieb den Grund - und Bodenzins in Form von Eier vor. Da der Stichtag für die Zinseier Ostern war, gehen der Begriff Osterei und die Sitte, zu Ostern Eier zu verschenken auch auf diesen umstand zurück.
Das Verstecken und Suchen von Ostereiern stammt aus dem 17. Jahrhundert. In manchen Gegenden kennt man auch heute noch den Brauch, beim Osterspaziergang im Wald für die Kinder Eier zu verstecken. Das Suchen kann hier auch als beglückende und befreiende Erfahrung, etwas Verlorenes wieder gefunden zu haben verstanden werden.
Das Osterei
Es ist nicht wegzudenken. Hühnerei, Plastikei, Schokoladenei- gefärbt, bemalt, verpackt, versteckt: Das Ei ist das österliche Symbol schlechthin. Um das Ei haben sich viele Bräuche entwickelt, die entweder Kirchenbrauch Rechtsbrauch oder Schenkbräuch zusammenfassen.
Aber eins nach dem anderen:
Auf kirchliches Brauchtum geht die Deutung des Eis als Symbol neuen Lebens und Zeichen für die Auferstehung zurück. So schreibt der Eifeler Pastor J.H. Schmitz im vorigen Jahrhundert „Wie aus dem Ei; wenn es bedeckt und erwärmt wird, ein lebendiges Geschöpf hervorgeht, so ist auch der Erlöser aus dem Grabe zum Leben entstanden"
Dazu kommt das Verbot der Kirche, während der Fastenzeit Eier und Eierspeisen zu essen, was zur Folge hatte, dass sich in dieser guten Legezeit große Menge von Eiern ansammelten. Mit dem Segen der Kirche - seit dem 12. Jahrhundert gibt es eine Eiersegnung - durften die Eier dann zu Ostern verzehrt werden.
Ein alter Rechtsbrauch weist noch auf eine andere Bedeutung der Ostereier hin:
das altdeutsche Eiergesetz schrieb den Grund - und Bodenzins in Form von Eiern vor. Da der Stichtag für die Zinseier Ostern war, gehen der Begriff Osterei und die Sitte, zu Ostern Eier zu verschenken auch auf diesen Umstand zurück. (gleiches gilt für die sog. Eierlage) Auch Pastore, Küster, Lehrer erhielten ihre Naturalbezahlung in form der Eier.
Als Geschenkartikel erschient das Osterei in den Schenkbräuchen Schon in den ersten christlichen Jahrhunderten sind verschenkte Osterei bei den Gemeinden in Armenien nachgewiesen. Diese Eier wurde rot gefärbt: als Symbol für den
Auferstandenen und sein vergossenes Blut.
Aber auch als Patengabe ist das Osterei bezeugt. Nahezu selbstverständlich war es, dass Onkel und Tante ihren Patenkindern zu Ostern Eier schenkten - ursprünglich gesegnete und nach Möglichkeit mit Sinnbilder verzierte Eier sein. Seit dem 19. Jahrhundert schenken sich aber z.B. auch Verliebte gegenseitig bunte Eier.
Das Ostereiersuchen ist seit dem 17.jahrhundert bezeugt. Am Beispiel von Goethes Haus in Weimar berichtet der Dichter Friedrich Matthiesen 1783, dass es in evangelischen Familien Brauch war, Ostereier zu versteck und von den Kindern suchen zu lassen. Dabei haben die Kinder später Nester hergerichtet und im Gelände versteckt, in dann die Ostereier gelegt wurden. Zucker - oder Schokoladeneier gab es noch nicht. Diese wurden erst als Einfluss aus städtischen Gebieten bekannt.
Allerdings berichten Predigten aus der Barockzeit über geweihten Hasenbraten als Ersatz für österliches Lammfleisch. Auch das Mittelalter kennt vereinzelte Hasenbilder als Symbole. Der schmuck gekleidete Kiepenträger mit aufrechtem Gang und mit Eier malender Frau und Kinder als Muster einer heilen Welt - den kennt erst das 19. jahrhundert.
Ostern und die Tiere:
Ursprünglich stellt das Osterlamm eine Erinnerung an das Passahlamm dar, das die Israeliten vor ihrem Auszug aus Ägypten aßen - was im Übrigen ja auch eine Auszugs - und Auferstehungsgeschichte ist.
Das Lamm ernährt sich nur von Pflanzen, lebt also nicht auf Kosten anderer Tiere, sondern nur für die Menschen. Es gibt Wolle und Fleisch. Das dieses friedfertige Tier als Symbol der Aufopferung Jesu für die Menschheit gelten kann ist nicht schwer zu
verstehen.
Zu Ostern wurde das Fleisch der Lämmer besonders gesegnet: der biblische Bezug liegt nahe. Denn, anknüpfend an das Opferlamm des Jüdischen passahfestes, bezeichnet Johannes der Täufer Jesus als das Lamm Gottes. Die älteste Speisesegnung lässt sich auf das 7. Jahrhundert datieren - also ein sehr alter Brauch. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Lamm bzw, der Hammel aber von unseren Speisekarten verabschiedet. Es wurde vom Hasen oder Kaninchen abgelöst. Heute kehrt das Lammfleisd1 aber den Umgang der gehobenen Gastronomie wieder auf unsere Teller zurück.
Ein Wort noch zur Praxis der Speisensegnung:
Es handelt sich hierbei nicht um ein Tischgebet, sondern um Speisebenediktionen die bis ins 3. Jahrhundert nachzuweisen sind. Da es in der 5~chswöchigefl Fastenzeit nicht nur verboten war Fleisch zu essen sondern auch alles was mit Misch zu tun hatte wurden diese Lebensmittel von den Gläubigen erst wieder gegessen, wenn sie gesegnet waren. So durften nicht nur die Fleischpr0dukte, sondern auch Milch, Butter, Käse - aber auch Honig, Eier und Brot erst gesegnet auf den Tisch. Dies war
Aufgabe der Geistlichen, die dafür einen besonderen Obulus erhielten. In Köln oblag diese Segnung bis zur Französischen Revolution den Kaplänen - danach nahm der Familienvorstand selbst diese Segnung vor.
Ein fast vergessenes Symbol für Ostern ist der Ostervogel. Gebastelt aus einem ausgeblasenen Ei und Papier hängt man diesen Vogel in der guten Stube auf. Der Vogel, der als Lebewesen der Luft, der Erde, des Wasser und als Phoenix aus der Asche sogar des Feuers alle vier Elemente belebt, steht so als Zeichen für Lebensfülle. Dass er in der Regel aus einem Ei schlüpft, macht ihn natürlich noch zusätzlich als Symbol für neues Leben interessant.
Der Hauptdarsteller des Osterfestes in unserer Zeit ist aber der Osterhase! Und er ist auch der jüngste Teilnehmer des Osterspektakels. Meistens wird angenommen, das er der Begleiter der germanischen Frühlings - und Fruchrbarkeistgöttin Ostera gewesen sei. Aber dies ist wohl eine Erfindung des mythologisch interessierten 19. Jahrhunderts. Der Hase ist auch kein Fehlgriff eines Bäckers, der einem Osterlamm zu lange Ohren und zu kurze Beine geknetet hatte.
Die frühesten Belege über ausgewiesene Osterhasen stammen aber schon aus dem 17. Jahrhundert. Um die Bedeutung der Ostereier, die sich aus den katholischen Fastenvorschriften erklärten, zu verschleiern, verfielen protestantische Familien auf
die Idee, die Ostereier zu verstecken. Diese Aufgabe übernahm quasi der Hase. Aber im ländlichen Rheinland dauerte es noch bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, ehe sich der Gaben bringende Osterhase durchsetzte. So wird aus der Umgebung von Düren mitgeteilt: Erst als die Eierfarben bis ins kleinste Dorf kamen, brachten sie auf der Verpackung das Bild des Osterhasen. Aber geglaubt hat das Dorfkind nie an die Eierlegekunst des Hasen.
Wie kommt das Wasser zu Ostern?
Einmal handelt es sich beim Ostewasser um das Wasser, mit dem in der Osternacht die frisch bekehrten Gläubigen getauft wurden. So kannte es die frühe Kirche. Heute wird in der Osternacht das Tauf - und Weihwasser gesegnet. Dieses Wasser können die Gläubigen mit nach Hause nehmen und das häusliche Weihwasserbecken damit auffüllen.
Das andere Osterwasser kann man nicht aus der Kirche mitnehmen, sondern muss es selbst holen: vor Sonnenaufgang am Ostermorgen und in völligem schweigen aus einer Quelle oder einem Bach. Dieses Wunderwasser verspricht Schutz vor Krankheiten, vor allem gegen Augenleiden und Ausschlag. Und wenn junge, unverheiratet Mädchen in der Quelle oder dem Bach badeten, behielten sie Jugend und Schönheit. Vor allem in der Eifel und im Bergischen Land was diese Tradition
lange lebendig.
Wenn wir über Osterwasser sprechen, dann müssen wir auch vom Ostei reden. Auch hier stoßen wir auf zwei Varianten: zum einen das in der Osternacht gesegnete Osterfeuer, zum anderen die sog. profanen Feuer an Karsamstag oder Ostersonntagabend.
In der Südeifel wird das Osterfeuer der Osternacht auch Judasfeuer genannt. Die übrig gebliebenen Kohlestückchen besaßen angeblich besondere Abwehrkräfte. Noch 1950 wurden sie in Esch und Niederehe zerrieben unter das Viehfutter gemengt, in
Lissendorf und Kürrenberg gab man sie zu Hause in das häusliche Herdfeuer. In der Hocheifel malte man mit den ohlestückchen Kreuzeichen an die Türen der Ställe.
Die Tradition der Osterfeuerräder ist in unserer Region nicht verbreitet.
Zum Feuer der Osternacht gehört ohne Zweifel aber die Osterkerze. Sie trägt die Zeichen Alpha und Omega so wie die Jahreszahl. Die am Osterfeuer entzündete Kerze wird in dunkle Kirche getragen. Dort wird ihr Feuer an die kleineren Osterkerzen der Kirchbesucher weitergegeben. Als Symbol für die Auferstehen brennt die Kerze dann und gibt Licht und Wärme indem sie sich selbst (für andere) verzehrt. Diese Kerze brennt das ganze Jahr über bei Taufen, aber auch bei Begräbnissen neben dem Sarg, um die Verbindung von Taufe und Auferstehung zu verdeutlichen.
Auferstehen
Ostern, Ostern, Auferstehn.
lind und leis die Lüfte wehn.
Hell und froh die Glocken schallen,
Osterglück den Menschen allen!
- Volksgut -

